Demokratie

Was genau ist diese Demokratie? Das weiß doch eigentlich jeder, die Herrschaft des Volkes. Ist es wirklich so einfach? Haben wir den Begriff Demokratie wirklich alle verstanden?

Wer Seminare der politischen Theorie zum Thema Demokratie besucht versteht schnell, dass hinter diesem Wort mehr steckt, als die meisten wissen. Es geht um nicht weniger als die Frage wie wir leben wollen. Sie hat Einfluss auf alles was uns umgibt. Unsere Staatsform beeinflusst wohin wir reisen dürfen, mit welchem Geld wir bezahlen, wie viel Geld wir haben, wie viel Geld wir brauchen, was wir kaufen können, was wir kaufen werden, welchen gesellschaftlichen Konventionen wir folgen, wen wir als Teil unserer Gesellschaft haben wollen und wen wir ausschließen aus unserem Zusammenleben.

Die Ausführungen über die Geschichte der Demokratie spare ich mir. Um die englische Revolution, die Gründung der vereinigten Staaten und die Französische Revolution ausreichend zu wiederholen bräuchte ich ewig und es würde uns trotzdem nicht näher an die Demokratie führen.

Es reicht zu wissen, dass sie keine Selbstverständlichkeit ist. In Deutschland ist noch die Generation meiner Großeltern in einer Zeit aufgewachsen, die zum größten Teil undemokratisch erzogen wurde und sich nach 1945 nur in beschränktem Maße an diese neue Staatsform gewöhnt hat. Die Generation meiner Eltern wuchs dann in einer jungen Demokratie auf, voll mit Menschen und autoritären Persönlichkeiten, die wenig zum demokratischen Vorbild taugten. Als vollständige Demokratie ist Nachkriegsdeutschland schwer zu beschreiben, zumindest was den demokratischen Geist im Volk betrifft. Die jetzt jungen Politiker sind vielleicht die ersten, die mit Stolz auf die Demokratie des eigenen Landes blicken könnten und ihr Land als durch und durch demokratisch bezeichnen können.
Noch einmal anders sieht die Demokratie aus einem globalen Blickwinkel aus. Hier ist sie allenfalls eine Staatsform unter vielen. Afrika, Asien, Russland, Südamerika, haben, natürlich mit einigen Ausnahmen, noch vorherrschend Scheindemokratien, Diktaturen, Aristokratien oder Mischsysteme.

Wir sprechen also über keine Selbstverständlichkeit. Oft trifft man daraus folgend gerade bei gebildeteren Menschen auf Debatten, die sie dann in Frage stellen. Nach dem Motto: „Demokratie ist ja auch nur das beste System, das wir gerade haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in Zukunft eine bessere Staatsform finden werden.“
Ich bin diese Debatten leid. Man kann dagegen schlecht argumentieren, weil eine Zukunft, die ich nicht vorhersehen kann, alles bringen kann. Vielleicht erfindet morgen jemand einen perfekten Staat, aber vielleicht gibt es morgen auch endlich mal wieder Geschnetzeltes in der Mensa, wer weiß.

Die wichtigere Beobachtung ist, dass die Demokratie das Beste ist was wir haben. Und daran glaube ich. Sie ist das System, das als einziges das Korrumpieren der Regierungen verhindert, indem sie sie nach einiger Zeit austauscht. Denn das ist das einzige Mittel dagegen, dass Macht korrumpiert.

Sie verhindert durch freie, geheime, allgemeine Wahlen, dass eine Minderheit die Kontrolle behält ohne die Interessen anderer zu berücksichtigen. Eine gefestigte Demokratie hat Methoden entwickelt sich als wehrhaft zu erweisen gegen viele Probleme die sich systembedingt stellen. Sie sorgt mit einem eindeutigen Rechtssystem für Sicherheit, ebenso wie durch ein ausgeglichenes Sozialsystem. Eine Stabilität entwickelt sich, die Handel und Wirtschaft gedeihen lässt und so zum allgemeinen Wohlstand beiträgt.

Neben anderen gibt es jedoch einen bedeutenden Schwachpunkt gegen den sie sich kaum wehren kann. Was passiert wenn sich niemand mehr entscheidet? Eine Stimme unter 80 Millionen, was macht das schon aus? Diese Einstellung hält viele Menschen von den Urnen fern. Sie haben nicht begriffen wie Demokratie funktioniert. Wer nicht wählt hat meiner Meinung nach das Recht verloren sich zu beschweren, wenn seine Interessen nicht repräsentiert werden. Politikverdrossenheit, allseits präsent in den letzten Jahren, ist der blinde Punkt einer wehrhaften Demokratie.

Es muss endlich verstanden werden. Wer nicht mit anderen streitet, sich nicht anstrengt und seine Interessen nicht öffentlich laut macht, der tötet die Demokratie!

Willensbildung ist existentiell, sie muss aus allen Schichten, Milieus, Klassen, Geschlechtern, Kulturen und Religionen kommen, sonst kann eine Demokratie nicht funktionieren.

Wenn wir nicht begreifen, dass unsere Demokratie der Grund für unsere guten Verhältnisse ist und dass Demokratie anstrengend ist und viel Arbeit erfordert, dann haben wir sie schon verloren.

Die Krankheitsbilder sind inzwischen kaum zu übersehen. Populismus ist eines der Symptome. Er wird ausgelöst durch Bürger, die nicht mehr sehen, dass Demokratie hinter allem steckt, sich nicht mehr engagieren und deshalb auch nicht mehr repräsentiert werden. Die Wut und der Hass bringen sie dann wieder an die Urnen und lassen sie wählen, was diese Gefühle zu repräsentieren scheint.

Donald Drumpf ist ein Geschwür, ein Tumor durch den diese Krankheit ans Tageslicht tritt und irgendwie freut es mich, dass sein Gesicht diese Metapher so gut bedient.

Aber verachtend auf die andere Seite des Atlantiks zu schielen ist keine Antwort, denn auch unsere Demokratie ist schwer krank. Der gleiche Wahnsinn bedrängt bereits große Teile unserer so wichtigen EU. England begibt sich bereits freiwillig in Quarantäne, Frankreich steht der große Kampf mit Le Pen bevor, die AFD würde nur zu gerne alte Potentiale unseres Landes wecken und es den Nachbarstaaten gleich tun.

Das Ausmaß unserer Probleme ist gewaltig. Studien aus den USA zeigen bereits, dass viele Kinder in Schulen Drumpf nachahmen und Muslime verängstigen. Wir müssen uns darauf besinnen unsere Kinder mit einem Sinn für Demokratie aufwachsen zu lassen. Am besten geht das, wenn wir selbst als Vorbild den Kampf annehmen, rüber gehen nach rechts, die Leute bei der Hand nehmen, sie ein bisschen vor den Kopf stoßen, und fragen was sie da eigentlich gerade machen.

Was denkt ihr über meine Auffassung von Demokratie und ihrem aktuellen Zustand?
Was meint ihr, wie können wir unsere Demokratie wieder zur Genesung verhelfen? Schreibt einfach in die Kommentare, was euch durch den Kopf geht, ich würde mich über die ein oder andere Diskussion freuen.

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13 Kommentare zu „Demokratie

  1. Krass, auf den Punkt! Danke fürs Teilen deiner wertvollen Gedanken! Dieselben Gedanken gehen mir auch durch den Kopf… Nur die Lösung des Dilemmas, die fehlt mir leider noch!

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  2. danke, danke! Die wird hoffentlich gefunden werden, ich bin aber sicher, dass jeder von uns mehr beitragen kann als wir vermuten. Es lohnt sich auf jeden Fall seine Möglichkeiten zu suchen und zumindest im eigenen Umfeld die Gedanken frei zu halten. 🙂

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    1. Die ist mir nicht bekannt. Ich halte ihn als Politiker für ein politisches Geschwür. Das ist natürlich eine Metapher, aber ich bleibe dabei. Ich rufe damit nicht zu Gewalt auf. Es soll ihn als Symptome von Gewalt und Verrohung zeigen, dass eine Demokratie wie die USA bedroht. Seine Rechte und seinen privaten Wohlstand und alles will ich damit nicht angreifen. Ich glaube das mit dem du mich vergleichen willst orientiert sich anders.

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      1. Mir ist nicht wichtig, was Du willst, sondern wie Du sprichst. Und wenn Du Politikwissenschaft studierst, weißt Du vielleicht, dass Hannah Arendt gute Argumente dafür gefunden hat, dass es auch undemokratische Sprache geben kann.
        Hast Du selbst Krebs oder einen Tumor?
        Außerdem empfehle ich Dir von Herzen die Werke von Viktor Klemperer.

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      2. Die Frage ob ich selber Krebs habe finde ich nicht richtig, oder finde ihren Zusammenhang mit deiner Argumentation nicht.

        Deine Kritik, die sich auf Hannah Arendt bezieht und mich der undemokratischen Sprache verdächtigt, hat mir zu denken gegeben. Vielleicht hast du Recht und ich habe mich in der leidenschaftlichen Verteidigung der Demokratie, die ist mir nämlich sehr wichtig, einer Metapher bedient, die einen nationalsozialistischen Hintergrund hat. Wenn das so ist, dann möchte ich mich hiermit dafür entschuldigen!

        Mir liegt die Sprache sehr am Herzen, ich habe das Ganze ja auch als Metapher benannt. Ist es nicht doch auch wichtig, dass ihr Inhalt sich gegen die richtet, die den Populismus betreiben?
        Kommen wir hier nicht eher auf eine Geschmacksfrage?
        Ist die Sprache der Nazis nicht vor allem durch die stereotype Wiederholung immer gleicher Begriffe geprägt, die mit rassistischen Vorstellungen besetzt waren, was bei mir nicht der Fall ist?
        Mich interessiert deine Meinung, was meinst du?

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      3. Für mich ist die Frage nach der Sprache essentiell. Wenn jemand die Sprache des NS benutzt, ist mir die Intention, mit der sie/er das tut, nicht wichtig – ich finde es unerträglich.
        Die Frage, ob Du selbst Krebs hast, IST nicht richtig, aber schafft vielleicht noch einmal über einen anderen Weg ein Bewusstsein.
        Metaphern sind metaphorisch gemeint, das heißt aber nicht, dass sie beliebig gewählt werden können und ihre Ungenauigkeit immer gleich ist:

        Und zur Sprache des Nationalsozialismus: Deine Analyse ist richtig, aber nicht ausreichend. Nicht nur Rassismus, sondern vor allem Antisemitismus, dazu Homophobie, Idealisierung der „ehrlichen Arbeit“, Entwertung des Individuums, die Mischung aus über-emotionalen (Schande von Versailles) und kühl-sachlichen (Konzentrationslager) Begriffen, all das und noch viel mehr prägte diese Sprache.

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  3. „Unsere Staatsform beeinflusst wohin wir reisen dürfen, mit welchem Geld wir bezahlen, wie viel Geld wir haben, wie viel Geld wir brauchen, was wir kaufen können, was wir kaufen werden, welchen gesellschaftlichen Konventionen wir folgen, wen wir als Teil unserer Gesellschaft haben wollen und wen wir ausschließen aus unserem Zusammenleben.“

    Tut sie nicht. Das bestimmt die Politik. Und Politik ist staatsformenunabhängig. Genug der Klugscheißerei. Ich halte nicht viel davon, mich verbal auf das Niveau von Gegnern der Demokratie herabzubegeben, die in der Tat ein Faible für die Geschwürmetapher haben … Es sei denn, wir reden über Satire. Aber auch für demokratisch gewählte … spezielle Menschen wie Donald Trump gilt das Recht auf faire Behandlung. Demokratie zeichnet sich für mich nämlich auch dadurch aus, dass man allen politischen Gegnern auf Augenhöhe begegnet.
    Die Alternative ist übrigens verheerend: Wer das nicht tut und sie nur verhöhnt, unterschätzt sie.

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  4. danke für deinen sehr konstruktiven Kommentar

    Teilst du Politik von Staatsform so, dass beide voneinander unabhängig sind? Das stimmt meines Wissens nicht. Die Wissenschaft, die sich mit Politik als zu untersuchendes beschäftigt, kennt doch nicht ohne Grund als eine der Hauptdisziplinen die Vergleichende Politik- uns Systemlehre, die sich mit eben diesen Staatsformen als Teil der Politik beschäftigt. Auch von mir Genug der Klugscheißerei.

    Zu der Metapher, siehe auch einen Kommentar weiter oben, da steht eine Entschuldigung und weitere Fragen meinerseits.

    Sprachlich habe ich mich vielleicht mit diesem einen Wort auf sein Niveau begeben. Die Angleichung auf sein Niveau ist glaube ich verständlicherweise zu kritisieren, da hast du definitiv Recht. Aber ist der Artikel im Ganzen wirklich mit der selben Sprache geschrieben?

    Ich hoffe jedoch, dass deutlich geworden ist, welches große Gefahrenpotential ich diesen politischen Gegnern, inklusive fairer Behandlung, die sie wirklich verdienen, zuschreibe. Es sollte ein Aufruf gegen das Unterschätzen sein, den ich hier geschrieben habe und ich glaube das ist auch durchgedrungen.

    Kritisierst du gleichzeitig, dass ich mich auf ihr Niveau begebe und nicht auf Augenhöhe mit ihnen diskutiere?

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  5. Ein sehr gelungener Appell! Du zeigst sehr passend auf, wie wichtig es ist, dass man in einer Demokratie wählen geht, dass man eine Meinung hat, und dass man diese auch kundtut!

    Ein Kritikpunkt hab ich aber dennoch, den auch schon die Kommentatoren vor mir aufgegriffen haben: einen Menschen als Geschwür bezeichnen geht leider gar nicht. Ich mag Donald Trump auch nicht, ich bin auch überhaupt nicht konform mit seinem Wahlkampfstil, seinen Politiken und den Beratern, mit denen er sich umgibt. Aber als Geschwür darf man einen Menschen einfach nicht bezeichnen. Ob bewusst oder unbewusst, eine solche Metapher entmenschlicht die betroffene Person. Die Nationalsozialisten haben auch in dieser Art ihre Gegner bezeichnet, indem sie ihnen jegliche Menschlichkeit abgesprochen haben.
    Beim nächsten Beitrag würde ich das an deiner Stelle lassen. Ansonsten, wie gesagt, hat mir der Post ziemlich gut gefallen 😀

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  6. Ein Problem ist, dass die BürgerInnen das Gefühl haben, der Staat mache dies oder das, dabei übersehen sie, dass sie der Staat sind. Sie sagen, die da oben (gemeint sind die Politiker in Bern) machen ja doch, was sie wollen, vergessen aber, dass sie die Politiker wählen. Sie wählen treu „ihre“ Partei und übersehen, dass die Vertreter dieser Partei die Interessen ihrer WählerInnen nicht wahrnehmen. Noch sind sehr viele einigermassen zufrieden und lehnen sich bequem zurück.

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    1. Erstmal danke an die vielen und sehr konstruktiven Kommentare. Es freut mich wirklich dass wir eine ganz interessante Debatte entwickeln konnten.

      @Regula: Wenn ich deinen Kommentar als Kritik an einer gefühlt ewigen großen Koalition und einer fast ständigen CDU/CSU Regierung verstehen darf, dann gebe ich dir auf jeden Fall recht. Das ist ein Problem, wenn Bürger nicht verstehen, dass konservativ wählen und Veränderung wünschen schlecht funktioniert. Das größere Problem aktuell sind aber die, die Veränderung wünschen und nicht wählen. Ich glaube hier muss die Politik ansetzen, endlich wieder junge und desinteressierte Menschen ansprechen! Und auch damit lande ich am Ende bei einem Veränderungswunsch, denn viel Mut zur Demokratie hat Merkel noch nie gezeigt. Genau hier funktioniert ihre aussitzen-Strategie nicht, ihre Fels-in-der-Brandung Einstellung.

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      1. zur situation in deutschland kann ich nicht soviel sagen. in der schweiz setzt sich ja die landesregierung aus den bundesräten zusammen und auch der bundespräsident hat nicht meht zu sagen, als seine kolleginnen und kolleginnnen. primus inter pares. die sitze werden gemäss zauberformel verteilt. trotzdem haben die parteien natürlich eine bedeutung, vor allem auf kantonaler ebene.

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