Reisen

Ist es ein Privileg der Reichen?
Versuchen wir aus dem Alltag in eine Parallelwelt eines Paradieses auf Erden zu flüchten?
Kann ich auch von zuhause aus weltoffen sein?

Das Thema des Reisens wird mich nicht nur in diesem Eintrag beschäftigen, sondern mit Sicherheit ein öfter wiederkehrendes Motiv meines Schreibens bleiben. Mein erster Blog war nichts anderes als ein etwas unregelmäßiges Reisetagebuch. Das Schreiben selbst verband ich somit damals mit meiner Reise durch Australien und Neuseeland. Viele Fragen kann man sich zu diesem spannenden Thema stellen.
Heimweh und Fernweh kennen vermutlich wirklich alle Menschen. Ist man das eine losgeworden, steht das andere vor der Tür.
Wohin reise ich? Wer muss schon in Ägypten bei den Pyramiden und auf dem Mount Everest gewesen sein, wenn er noch nicht einmal eine Ahnung von der Schönheit der bayrischen Alpen, der fränkischen Schweiz oder der Nordseeinseln hat? „Das gute liegt so nah“ oder „in die Ferne schweifen“?
Muss man einsam sein als Reisender, oder macht es nur mit der Partnerin / dem Partner zusammen Spaß. Und mit Familie? Ja, da endet sowieso jeder Urlaub im ewig gleichen Gezanke der unterschiedlichen Gemüter.
Bin ich freier durch eine Reise mit dem Auto, verpasse ich weniger wenn ich mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs bin, oder hat doch die Gebundenheit an Bus und Bahn den Vorteil des authentischeren Kontaktes mit den Ortsansässigen?

Man kann sogar die Frage nach dem „ob“ stellen. Es lassen sich durchaus gute Gründe gegen Reisen finden. Gerade meine Generation neigt zu dem Traum, dem auch ich erlegen bin, nach dem engen Korsett des G8-Systems, das gewonnene Jahr frei in fernen Ländern zu verbringen und das Exil auf der anderen Seite der Welt in Australien und Neuseeland zu suchen. Viel verspricht man sich davon, doch wer dort ist staunt oft über Hostels mit gefühltem 80% Anteil an deutschen Abiturienten, die teilweise Bekannte aus dem eigenen Heimatdorf in Surfers Paradise oder Sydney wieder treffen. Ganze Stadtteile ähneln dann Abends einer deutschen Vorstadtdisko, in der genauso wie daheim auf Deutsch gepöbelt und getrunken wird. Wie viel wissen diese Backpacker über das Land in das sie reisen und wie wertvoll sind ihre Erfahrungen wirklich, weil sie erlebt sind und nicht aus Büchern stammen? Manchmal trifft man dann zuhause einen Menschen, der nur seine Bücher und seine Träume der Ferne hat. Die Literatur gibt ihm vielleicht ein anderes Bild als demjenigen, der wirklich vor Ort war. Aber hat sein Blickwinkel nicht die gleiche Berechtigung? Mir scheint, die Vorteile der Bücher sind kaum zu überschätzen, denn sie können Perspektiven von langjährigen Experten vermitteln, die mehr sahen, als mir eine einzelne Reise jemals bieten kann. Um mich besser zu verstehen sollte ich dazu sagen, ich meine nicht die Vorteile des Lesens gegenüber des Reisens. Ich meine die Vorteile gegenüber des nicht Lesens.

Genug zum „ob“, denn ein definitives Ja oder Nein zu liefern kommt mir nicht in den Sinn. Das „wie“ interessiert mich. Wie reise ich um das, was den Ort meines Besuchs ausmacht, am leichtesten zu finden? Das ist die Idee dieses Artikels, der für mich so untypisch unpolitisch scheint. Mir kam dieser Gedanke heute in Paris, wo ich mich zur Zeit aufhalte. Und ich muss sagen: Diese Stadt gibt mir Rätsel auf. Noch immer bin ich unschlüssig, wie ich hier am besten reisen soll, um das zu sehen, was sich lohnt zu sehen.

Das schlimmste an Paris für mich ist der Fakt, dass es eine so riesige Metropole ist. Und gleichzeitig ist das eine Besonderheit, die auch Vorteile mit sich bringt und die Art und Weise des Erkundens stark beeinflusst. Ich denke um wirklich von sich zu sagen Paris zu kennen, muss man zumindest einen großen Teil seines Lebens dort verbringen. Und selbst dann eröffnet sich manchen nur ein bestimmter Teil der Stadt. Das wahre Paris liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen Sehenswürdigkeiten (Louvre, Eiffelturm, Notre Dame und Sacre Coeur), den Businessvierteln (La Défense) und den schier unendlichen Vororten, die sich mit einer Bandbreite an Verschiedenheit, die von Ghetto bis zur gehobenen Mittelschicht reicht, bis ans Ende des Horizontes erstrecken. Nicht nur das Leben und die Hast auf den Straßen muss man einfangen, auch die romantische und oft melancholisch schöne Ruhe der Hinterhöfe und geheim versteckten Cafés sind ein Teil des Mosaiks. Der Kunde beim Großeinkauf in der Galerie La Fayette gehört dazu wie der Bettler, der ihm beim Verlassen des Kaufhauses rechts neben dem Eingang seinen Becher entgegenhält. Dazu kommen die Millionen Menschen ohne Klischee, die irgendwo in der Mitte liegen und die man nie zu sehen bekommt. Denn was man nicht sieht ist genauso Teil der Stadt, wie das was man sieht. Die 2,5 Millionen Einwohner der Innenstadt sind eben nur ein Teil der ca. 13 Millionen Menschen zählenden Bevölkerung.

Man muss sie vermutlich anders angehen, diese Stadt. Anders zumindest als die Weiten Australiens. Ich werde versuchen mich anzupassen und das zu suchen, was ich finden kann. Am Ende zeigt uns Reisen dann vermutlich nicht nur viel über den Ort an den wir uns begeben, sondern auch über uns. Denn man kann nur sehen, für was man zu sehen bereit ist. Besonders in einer so großen Stadt mit den verschiedensten Menschen denen man begegnen kann, sieht man auch wie verschieden das Bild sein kann, das man persönlich bekommt.

Und so sitzt man entspannt mit ’nem Bier in der Hand auf der Ile de la Cité an der Seine und von hinten kommt ein Freund und sagt: „Was ist die Seine denn eigentlich für eine braune Brühe?“

Was sind eure Erfahrungen mit dem Reisen, was ist euch wichtig wenn ihr Urlaub macht?
Habt ihr Reisetipps wie man mehr sieht von seinem Urlaubsziel?Welche Unterschiede habt ihr bei euren verschiedenen Reisen bemerkt und welche waren die interessantesten?

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