Weihnachten – Fest der Barmherzigkeit, wo sind deine Grenzen?

Was sind Bettler auf der Straße für euch und wie geht ihr mit ihnen um?
Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Weihnachten steht vor der Tür, wo sonst nur der Russe steht, die Tage sind kurz und die Nächte lang. Ein guter Zeitpunkt, um sich Gedanken zu machen, wie man mit den Bettlern auf Deutschlands Straßen umgeht.Ho, ho, ho, Besinnlichkeit, Familie, stille Nacht heilige Nacht, Geschenke, Kirche, Tannenbaum, Schnee, Jesus, Barmherzigkeit eben, und, und, und. Über Weihnachten und die besondere Stimmung zum heiligen Fest jedes Jahr wurde schon oft genug geschrieben. Da muss ich mich nicht groß einreihen in die lange Liste der Wiederholenden.

Viel lieber möchte ich meine letzten Eintrag vor Weihnachten einem Thema widmen, über dass ich heute und bereits die letzten Monate nachgedacht habe:
Menschen, die auf der Straße betteln.

Noch mehr als bei allen bisherigen Beiträgen interessiert mich diesmal eure Meinung. Denn meine Erfahrungen mit dem Phänomen, um das es diesmal gehen soll, sind sehr gering und von gesichertem Wissen kann ich nicht sprechen. Ich habe mir dennoch ganz ohne Studien und Statistik ein paar Gedanken gemacht.

Wie bereits in meinem letzten Artikel erwähnt, befinde ich mich momentan in Paris in einem Auslandsjahr. Gefühlt deutlich häufiger als sonst begegne ich hier Menschen, die an der Metrostation oder dem Straßenrand sitzen, teilweise sogar durch die Metro wandern und hoffen ein paar Münzen von Passanten zu bekommen.
Was mache ich also mit dieser komischen Situation, wenn mir in der Fußgängerzone jemand flehend einen Becher entgegenhält?

Ich persönlich fühle mich immer unsicher. Meistens gebe ich nichts, da ich keine Zeit, kein Kleingeld oder einfach keine Lust habe. „Ich kann ja auch nicht jedem was geben“, ist ein Gedanke, der mir häufig durch den Kopf schießt. Manchmal gebe ich dennoch was. Vielleicht ein Mal in der Woche so ca. 50 Cent. Viel ist das nicht, aber ich habe dennoch das Gefühl, dass eine nette Geste, Höflichkeit und ein Lächeln angebracht sind. Ich werde vermutlich das Leben von niemandem damit verbessern, aber ich habe prinzipiell kein Problem mit dem Betteln, finde es legitim in einem freien Land. Warum nicht? Gerne würde ich ein paar Varianten vorschlagen, wie man das ganze noch sehen kann.

Da wäre zunächst der selektive Gedanke: ich gebe nur einem Bettler, der bestimmte Merkmale hat, oder auch bestimmte Merkmale nicht hat, etwas. Auf viele Arten begegnet  man dem Betteln. Manche spielen meist untalentiert Instrumente, manche haben Tiere dabei, manche stellen Verletzungen zur Schau, manche schreiben aufwendige Schilder, manche machen gar nichts und vermeiden den Augenkontakt und manche wiederum gehen forsch auf die Leute zu.

Von einer Freundin weiß ich, dass sie generell nur Bettlern ohne Tieren etwas gibt, weil sie es für unzumutbar hält Tiere zu halten, wenn man sich selbst nicht eigenständig ernähren kann. Erst kürzlich wurde ein Tierschutzgesetz gegen das Halten von Haustieren mit schlechtem Gesundheitszustand durch Obdachlose erlassen, dass ihr in sofern in vielen Fällen recht gibt. Außerdem gibt sie nur etwas, wenn die Bettler etwas dafür leisten. Sie können ja wenigstens schön ein Instrument spielen oder irgendwas anderes anbieten, sagt sie.
Der Aussteiger als Dienstleister. Wer ihr nur ein schlechtes Gewissen macht, hat nichts verdient.

Andere geben generell nichts. Sie vermuten organisierte Banden, die sich eine goldene Nase verdienen, hinter allem. Geschichten von Betrügern, deren Mercedes an der nächsten Ecke steht, kursieren. Von Koffern voller Geld ist die Rede. Die wirklich Armen würden es gar nicht wagen den Organisierten auf den viel besuchten Plätzen in die Quere zu kommen. So sieht man die Menschen in zerlumpten Klamotten als verlogen und reicher als man selbst. Leichtgläubig sind die, die ihr Geld diesen Verbrechern geben.

Oder ist das eine Verrohung der Gesellschaft mit einem vernachlässigten Sozialstaat und einem Großteil der Bevölkerung, der abgehängt ist und in die Armut gezwungen wird? Es fällt leicht sich dann als Widerstandskämpfer im kleinen zu sehen, wenn man jemandem zwei Euro in seinen Becher wirft. Doch am Ende ist weniger sein Hunger gestillt(Oder kauft er sich vielleicht gar Alkohol?), als die eigene Befriedigung eine gute Tat getan zu haben.

Soll ich ihm helfen indem ich losziehe und ihm Essen kaufe, damit ich weiß dass er sich nicht Alkohol oder Zigaretten besorgt? Plausibel als Grund dies nicht zu tun erscheint mir der Einwand, dass ein körperlich Abhängiger Hartz-IV Empfänger vielleicht exakt deshalb bettelt. Seine Sozialhilfe reicht eben nicht um sich diese Dinge zu kaufen, doch eine Wahl hat ein langjähriger Abhängiger eher nicht. Er muss seine Sucht genauso befriedigen, wie er das mit seinem Durst oder Hunger tun muss, sonst kann es gefährlich werden. Warum solte ich mir auch anmaßen seinen Lebenstil kritisieren zu dürfen.

Eine wieder andere Gruppe von Bettelnden können Punks sein. Sie haben es sich einfach zum Lebenstil gemacht gegen das System zu sein und nicht zu arbeiten. Die von ihnen, die ich kennen lernen durfte waren immer freundlich und meistens einfach interessante Menschen. Ein Lebensentwurf der möglich ist und für den sich mit Sicherheit ein paar gute Gründe finden lassen.

Wofür betteln also sonst Menschen, wenn sie doch eigentlich durch den Sozialstaat schon mal mit Essen, Getränken und einem zumindest sporadischen Dach über dem Kopf ausgestattet sein sollten?

Wie meistens, keine Antworten von mir, nur Fragen. Aber habt ihr Antworten, oder findet eure Einstellungen in meinen Beschreibungen wieder? Was ist das richtige Verhalten? Sollte man nicht lieber konsequent für sich entscheiden ob, wie oft und wie viel man gibt, statt es nach Gefühl zu machen und an heilig Abend mal fünf Euro abzudrücken und sich als braver Christ zu fühlen.
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Schreibt es mir in die Kommentare, ich würde mich freuen mit euch zu diskutieren und von euren Gedanken zu profitieren!

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