Leistungsgesellschaft in der Weihnachtspause

Frohes neues Jahr!
Ruhige Festtagszeit – könnt ihr noch loslassen oder habt ihr dieses Jahr die Ruhe der Weihnachtszeit nicht erreicht? Es fällt schwer sich aus dem durchgeplanten Alltag zu reißen und runter zu kommen. Kann man vergessen wie man sich entspannt?

Der Druck ist für mich eigentlich ständig gegenwärtig. Gewollt stelle ich mich ihm und versuche meine selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Dieser Druck kommt glücklicherweise auch nicht von außen, sondern von innen. Er ist natürliches Resultat meines eigenen Anspruches an mich selbst. Ich mag dieses Bild von mir selbst, dass ich an mir arbeiten muss, um meine Qualitäten zu entwickeln und mich zu optimieren. Es hilft mir mich zu motivieren und Sachen in Angriff zu nehmen, die mir erstrebenswert erscheinen. Darauf aufbauend fällt es leicht sich als frei zu fühlen, denn ich bestimme woran ich an mir arbeite und welche Fähigkeiten und Eigenschaften ich ausbauen möchte. Es macht mich frei von einer natürlichen Begrenztheit und gibt mir die Ambition anderen zu beweisen, dass ich mit genug Willen und Arbeit sehr viel erreichen kann.

Als Konsequenz gestaltet sich mein Leben auf eine gewisse Art. Viel Zeit verwende ich für meine Uni und die Themen meines Studiums, denn ein Großteil meines Lebens werde ich mit meiner Arbeit verbringen, die auf meinem Studium aufbaut. Hier will ich meine größte Stärke haben und wirklich hohe Leistung und Umsicht beweisen.

Hinzu kommt, dass mir Bildung auch aus anderen Disziplinen als der meinigen sehr am Herzen liegen. Naturwissenschaften und Literatur sind Teil einer gewissen Grundbildung, die sehr wichtig ist, um das eigene Forschungsgebiet nicht zu überschätzen. Viel Zeit und Mühe verschlingt es hierfür nach dem Studium noch Muse zu finden, nach der unirelevanten Lektüre noch ein Buch in die Hand zu nehmen, oder sich über tagesaktuelles in einer Zeitung zu informieren.

Seine Sprachkenntnisse auszubauen reizt mich als jungen Menschen ebenfalls und fällt zu oft unter den Tisch, wenn es um das eigene Zeitmanagement geht. Dabei ist es verständlich, dass Vokabeln zu lernen und Grammatik zu pauken keine entspannende Freizeitaktivität ist, obwohl es doch so schade wäre sich nicht seinen Horizont auf diese Art zu erweitern.

Schließlich bilden geistige und körperliche Gesundheit eine wichtige Symbiose, in der kein Teil ohne das andere funktioniert. Sport braucht ebenfalls mehr Willen und Kraft als sich einfach auf das Sofa zu legen und ein Nickerchen zu machen. Nach meiner Überzeugung macht man aber einen Fehler, wenn man seinen Körper nicht immer in Form hält und fit bleibt. Am Ende leiden darunter dann doch nur die geistigen Fähigkeiten sowie die Zufriedenheit mit seinem Leben.

Freunde und Familie wurden soweit noch nicht einmal erwähnt. Das soziale Umfeld ist wohl der größte Glücksspender im Leben und ein Heimatgefühl kann von seinen Lieblingsmenschen ausgehen, das vieles lehren kann, was sonst nirgendwo erfahrbar ist.

Mit allem versuche ich mich besser zu machen, zu lernen und zu profitieren. Trotzdem habe ich auch manchmal den Eindruck, dass vieles eben nicht enthalten ist in dieser Lebensweise.

Mein Neujahr habe ich mit einigen meiner besten Freunde beim Grillen bei mir zuhause in der Nähe gefeiert. Viele von ihnen gehören zu den interessantesten Charakteren, die ich bisher in meinem Leben kennen lernen durfte. Und einer von ihnen brachte mich in einem schönen Gespräch auf einen Gedanken. Während ich in der Regel zur Motivation vor dem Arbeiten Songs von Eminem oder Linkin Park anhöre, nimmt er sich eine kurze Auszeit. Er setzt sich für fünf Minuten an einen schönen Ort, macht nichts und denkt nach. Er sammelt sich.
Es ist ein anderer Ansatz mit hoher Berechtigung.

Sein Leben nur mit Perfektionismus zu verbringen erfüllt vermutlich weniger, als das bereits geschaffte zu genießen. Wer sich nicht die Zeit nimmt auszukosten was man bereits hat, der verliert im Laufe der Zeit die Orientierung, den Sinn seines Strebens. Wenn ich wählen muss zwischen einem Leben an dessen Ende ich mich selbst optimiert habe und einem Leben, dass ich wirklich genossen habe, dann klingt das letztere deutlich verlockender.

Entschleunigung ist ein moderner Begriff, der versucht das Genießen in den Alltag zurück zu bringen. Der Wunsch selbst seine Grenzen festzusetzen und diese dafür immer aufs Neue herauszufordern ist bewundernswert. Sein Wert bleibt aber gering, ohne den Genuss und die Fähigkeit auch einfaches zu schätzen.

Die Weihnachtszeit und allgemein die Winterferien haben für mich vor allem dies als Aussagekraft. Sie erinnern uns daran, wie überflüssig Leistung manchmal ist und was eine Auszeit wert sein kann. Sie geben die Möglichkeit Prioritäten neu zu setzen und sich Gedanken über eigene Ziele zu machen.

Konntet ihr in euren Ferien bisher runter kommen?
Was schätzt ihr an der Zeit des Jahreswechsels?
Teilt ihr meine Gedanken zu einer Leistungsgesellschaft die Selbstoptimierung nahelegt? Schreibt es mir in die Kommentare!

 

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2 Kommentare zu „Leistungsgesellschaft in der Weihnachtspause

  1. Für mich ist Weihnachten mehr Stress als Fest, da ich halb Thüringen bereise. Man möchte es letztendlich jedem recht machen. Und wer bleibt auf der Strecke? Richtig, man selber. Dafür genieße ich Heilig Abend und Silvester daheim im kleinsten Familienkreis und um deine Frage zu beantworten: So richtig runter kommen kann ich auch nur an diesen beiden Tagen. Und nun hat uns der Alltag wieder und es heißt erneut Leistung bringen. Ich wünsche dir alles Gute für das Jahr 2017. Viele Grüße, Sabrina

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