Autorität

Mein Studium hat mich zu diesem Thema geführt und ich finde es interessant genug, um ihm einen Artikel zu widmen. Meine Lektüre ist noch bei weitem nicht ausreichend, um es umfassend zu betrachten, aber ein paar kleine Einblicke lohnen sich denke ich trotzdem.

Autorität ist nichts was uns unbekannt ist und dennoch ist es schwer zu definieren, wie es so häufig bei den Themen der Philosophie der Fall ist. Es wird inflationär benutzt, so viel steht fest. Wer besitzt Autorität und wer nicht? Ist es Charakterstärke? Geht es darum Einfluss auf andere zu haben und sie zu etwas zwingen zu können? Hat meine Mutter, der Lehrer, der Polizist, die Bundeskanzlerin oder doch die Ampel Autorität?

Wenn wir Schwierigkeiten damit haben ein Wort genauer zu bestimmen, dann helfen meistens Abgrenzungen zu anderen Begriffen. Macht und Autorität sind verschieden. Genauso steht es mit Zwang und Autorität. Wenn ich Macht habe oder einen Zwang ausüben kann, dann brauche ich keine Autorität mehr, um meinen Willen durchzusetzen. Auch als Fähigkeit zur Überzeugung ist Autorität schlecht beschrieben. Denn ich kann lernen durch Argumente, ob wahr oder gelogen, zu überzeugen und meine Position als die bessere darzustellen, was ebenfalls nicht unter Autorität fallen würde. Autorität ist also das, was jemandem die Möglichkeit verschafft Gehorsam zu finden, ohne dass ich dafür über Macht, Zwangsmittel oder eine argumentative Überlegenheit verfüge. Mit anderen Worten, wenn man dir folgt, weil du du bist, dann hast du Autorität. Das kann auf Eltern zutreffen, denen die Kinder gehorchen müssen, weil der Vater es befohlen hat. Die Quelle der Legitimation von Autorität liegt immer außerhalb der aktuellen Machtsphäre. Die Erwachsenen bestimmen und das Kind ist halt nun mal Kind und nicht erwachsen. Der König herrscht, weil er von Gott auserwählt wurde. Die Kirche hat die moralische Überlegenheit, weil sie den Willen Gottes symbolisiert.
Auch Freiheit und Autorität sind keine Gegensätze. Es ist sogar so, dass Autorität die Freiheit der Entscheidung braucht, um diese dann ohne Zwang so zu beeinflussen, dass sie trotzdem zugunsten der Autorität ausfällt.

Nachdem wir jetzt über den Begriff der Autorität das gleiche Wissen besitzen, können wir über seine Berechtigung streiten. Ich kann verstehen, dass Erziehung ohne Autorität schwer ist. Oft ist es für die Mutter einfacher zu sagen: „du gehorchst mir, weil ich es eben sage“, statt eine Argumentation mit pro und contra Seite zu führen. Trotzdem muss dabei auch das Gegenstück zu Autorität bemerkt werden, der Gehorsam. Wer der Autorität zu viel Spielraum zugesteht wird selten zu den rebellischen Teilen der Bevölkerung zählen. Ich halte es für fragwürdig ob es gut ist, wenn man jemandem gehorcht, ohne die Gründe dafür selbst durchschaut zu haben, wie das bei Autorität so oft der Fall ist. Brav zu folgen kann einen in eine blinde Handlungssituation manövrieren, in der man zu leichte seine eigenen ethischen Grundregeln ausschaltet, ohne nachzudenken. Im privaten Bereich würde ich deshalb zur Autorität immer erst als letzte Variante greifen, um sich Gehör zu verschaffen und außerdem darauf achten selbst das Gefühl für Beeinflussung durch andere und ihre Grenzen nicht zu verlieren. Im öffentlichen Bereich habe ich wenig Respekt für Autorität. Meistens wird sie missbraucht von Menschen die leichter ihre eigenen Anliegen durchbringen wollen.

Der Begriff der Autorität spielt in vielen unserer ethischen alltagsfragen eine wichtige Rolle und wird nie an Wichtigkeit verlieren.

Würdet ihr sagen, dass ihr autoritär erzogen wurdet?
Wann seid ihr das letzte Mal im Alltag auf Autorität gestoßen?
Ich freue mich über eure Erfahrungen!

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