Frohe Ostern an alle Leser! Versteckt hinter bunten Ostereiern und Schoko-Hasen feiert das Christentum wie jedes Jahr sein heiligstes Fest und ich möchte hier einige der Fragen notieren, die mich seit langem beschäftigen, wenn es um meine katholische Kirche geht.

Ich bin katholisch und komme aus Oberbayern. Das soll jetzt nicht wie ein Geständnis wirken, aber es zeigt meine Position, wenn ich mich mit der katholischen Kirche auseinandersetze. Als ehemaliger Ministrant und gelegentlicher Kirchengänger mit katholischem Vater und einer Mutter, die aus der Kirche ausgetreten ist, habe ich einige Einblicke in meine Kirche bekommen. Wir feiern nun unser wichtigstes Fest, den Kern unserer Religion, den Glauben an die Wiederauferstehung von Jesus Christus. Mit Jesus als Kern der katholischen Kirche, bindet sie sich im Grunde auch auf ewig an eine Grundausrichtung, das Konzept der Nächstenliebe. Wir teilen das aus gutem Grund mit vielen Religionen und mir erscheint diese Idee, die Jesus so oft predigte, als sehr weiser und erstrebenswerter Grundsatz.

Auf mehrere Art und Weisen bin ich der katholischen Kirche begegnet. Zum einen ist mir das freundliche Gefühl der katholischen Kleinstadtgemeinde mit Freizeitangebot und einem guten Gemeinschaftsgefühl bekannt, das einem gegenseitigen Respekt und Zusammenhalt und Friedlichkeit nahebringen kann und dies auch bei vielen Menschen schafft. Darüber hinaus kenne ich das strenge Gefühl der Frömmigkeit, das Messen begleitet und von unserem harten, ernsten Pfarrer stets in jeden Raum getragen wurde, den er betrat. Die strikten Abläufe und Verhaltensvorschriften der Kirche sind ein großer Bestandteil ihres Eindrucks, den sie bei mir hinterlassen hat. Aber dann gibt es eben auch noch die wichtigen Organisationen, die sie betreibt und die mir später in meinem Leben wieder begegnet sind. Ich habe gelernt, dass das soziale Leben in Deutschland bis in die entferntesten Winkel stets von der Kirche begleitet wird und mit Caritas und anderen Einrichtungen oft tatsächlich denen geholfen wird, die es am dringendsten brauchen. Auch in der Versorgung von Migranten in den letzten Jahren hätte eine einfach Parole wie: „Wir schaffen das!“, ohne angemessener Verstärkung staatlicher Unterstützung, nie funktioniert, sondern zu humanitären Katastrophen innerhalb des Landes geführt. Was ich aber ebenfalls von jungem Alter an gelernt habe, ist mich mit meinen Überzeugungen kritisch auseinanderzusetzen.

Man kann der Kirche neben vielen positiven Aspekten, die unbestreitbar existieren, auch einiges Vorwerfen. Ich werde mich nicht an der Geschichte aufhalten, denn Kriege, Kreuzzüge und Verfolgungen sind ohne Zweifel furchtbar, und sollten nicht vergessen werden. Mir geht es aber um die Kritik der Kirche in der Gegenwart, wo keine Ausreden in Richtung geschichtlichen oder gesellschaftlichen Hintergrund möglich sind. Es passt mir einiges nicht, das möchte ich hier mal klar festhalten.

Zunächst, sollte so etwas wie die Leitlinienkompetenz des Papstes nicht unterschätzt werden. Die hierarchische Struktur mit einer einzelnen Führungsperson hat einige Nachteile. Zu den Vorteilen sollte aber zählen, dass sie die Kirche handlungsfähiger macht. Der Papst kann vieles eigenmächtig vorgeben und sollte diese Möglichkeit dann nutzen, wenn es sinnvoll ist. Bei mir ist hingegen der Eindruck entstanden, dass zumindest wären meiner Lebenszeit nur Lippenbekenntnisse und halbgare Positionen ohne Mut zu klaren progressiven Statements gepredigt wurden. Der momentane Papst steht für frischen Wind, Franziskus sollte nach meinem Geschmack mehr wagen und die Furcht vor Fortschritt hinter sich lassen. Denn das Wort des Papstes wiegt schwer. Gerade in Entwicklungsländern ist die Verbindung zur Kirche stark und die Worte des Oberhauptes werden geachtet und als klare Handlungsvorgabe gesehen. Mit guten Worten lässt sich in diesem Fall schon viel gutes Tun, davon bin überzeugt und möchte einige Beispiele geben, wo die Kirche nur durch Predigt schon sehr viel Leid seiner Gläubigen vermeiden könnte, wenn sie etwas Mut zeigt.

Verhütung ist keine Sünde! Afrika hat von allen Kontinenten das größte HIV-Risiko und tausende Katholiken sterben an Aids, weil sie oft aus religiösen Gründen auf Kondome verzichten. Es tut mir Leid, aber die Feigheit hier aus absurden, rückständigen, theologischen Gründen nicht von alten Positionen abzuweichen tötet Menschen. Ich habe sehr große Probleme das zu akzeptieren und mit meinem Glauben und meiner Zugehörigkeit zur katholischen Kirche zu vereinbaren.

Die soziale Hilfe in den Gemeinden wird von Rom im Stich gelassen! Wie bereits erwähnt, leisten christliche Gemeinden und Organisationen mit Hilfe der Kirche so wichtige Arbeit in der Flüchtlingshilfe. Trotzdem scheint Franziskus es nicht für nötig zu halten hart mit Ländern wie Polen ins Gericht zu gehen, die Flüchtlinge nicht aufnehmen wollen.

Unsere Religion basiert auf den Lehren eines Zimmerers und Binnenflüchtlings aus dem heutigen Israel. An Weihnachten spielen wir in der Kirche nach, wie Dorfbewohner die heilige Familie hart abwiesen und Jesus deshalb in einer Scheune geboren werden musste. Wenn sich der Papst nicht klar zu der Aufnahme aller Flüchtlinge und der angemessenen Versorgung dieser aussprechen kann, dann besitzt er nicht den Mut die Folgen der eigenen Religion auszuüben. Der Papst muss sich hinter die Helfer vor Ort stellen und jede Christliche Partei attackieren, die es wagt eine Einschränkung der Flüchtlinge zu fordern. Zumindest, soweit ich meine Religion richtig verstanden habe.

Unsere Gesellschaft verändert sich stetig und die Kirche muss sich gleichzeitig mitverändern und mit ihrer Veränderung steuern in welche Richtung wir gehen wollen. Das ist eine komplexe Situation. In Deutschland streiten viele Menschen der Kirche ihre Macht ab und ich weiß wirklich nicht ob die Aussagen des Papstes noch große Auswirkungen auf die Politik und das Leben der Menschen haben können. Doch Deutschland ist nicht die Welt und außerhalb unserer Grenzen kann sie viel bewegen. Gerade der erste Papst aus Südamerika sollte die Kirche globaler machen können und wollen.

Meine Forderungen sind umfangreich und einen Kurswechsel der Kirche zu verlangen erfährt viel Gegenwind. Das System der katholischen Kirche hat sich über viele Jahrhunderte am Leben gehalten und hat daher einigen Grund auf bewährtes nicht verzichten zu wollen. Sicherlich würde mir eine demokratische katholische Kirche gut gefallen und einige andere Ideen würden mir ebenfalls einleuchten, doch eine Veränderung in Rom muss sich wohl über mehrere Generationen verteilen und kann nicht plötzlich geschehen. Irgendwann nach dem Abschluss meines Studiums wird dann der Moment kommen an dem ich mich entscheiden muss, ob ich in Form der Kirchensteuer auch finanziell beitragen möchte meine Kirche zu unterstützen, obwohl ich ihr an so vielen Stellen widerspreche. Es wird eine harte Entscheidung. Ich hoffe, dass sich bis dahin vielleicht ein paar weitere Punkte finden werden, die mir gefallen an dieser Organisation.

Welche Geschichte verbindet euch mit der katholischen Kirche?
Was erwartet ihr in Zukunft an Veränderungen?
Findet ihr, dass meine Kritik berechtigt ist?

Ich freue mich über eure Fragen und Kommentare!

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