Ich habe mir letzte Woche den Film „I am not your negro“ im Kino angesehen. Ein packender Dokumentarfilm zeigte mir die Geschichte des Kampfes gegen Rassismus aus einer spannenden Perspektive. Viel davon hat heute Relevanz.

Martin Luther King, Malcom X, Medgar Evers, Rosa Parks, Muhammad Ali oder Barack Obama, die Liste der Prominenten und Vorbilder, die uns die Geschehnisse der Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung in den USA näher gebracht hat, ist lang. Einer der bekanntesten war eben James Baldwin, der Schriftsteller und genaue Beobachter seiner Zeit. Er überlebte im Gegensatz zu vielen seiner Mitstreiter und machte es sich zur Aufgabe zu beschreiben was er sah und wie er es sah.

Die Grundlage des Filmes bilden unveröffentlichte Manuskripte und viele Ausschnitte aus den Reden, die er gehalten hat. Sie zeugen von seiner Idee, nicht neutral zu beobachten, sondern seine eigene Geschichte miteinfließen zu lassen in seine Beobachtungen. Seine individuelle Wahrnehmung der Ereignisse fesselt und wirft Fragen auf.
Es passt, weil so viel in der Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen mit Vergangenheit und Identität zu tun hat. Es geht um den Verlust von etwas, noch vor der Geburt. Eine Entwurzelung ist geschehen und der Kontakt zu den Ahnen ist verloren. Baldwin versteht sich als Amerikaner, denn er ist einer. Seine Bildung, seine Sprache, seine Heimat und die Erfahrungen seiner Kindheit wurden von den Vereinigten Staaten geprägt. Der Kontinent seiner Vorfahren spielt keine große Rolle mehr für ihn. Es prallt Existenz auf Essenz der Identität. Trotzdem bleibt Gleichberechtigung das alleinige Interesse.

Robert Kennedy sagte damals voraus, dass in 40 Jahren ein schwarzer Präsident vorstellbar wäre. Baldwin wusste, dass nicht die Hautfarbe des Präsidenten, sondern die Ansichten des Volkes bestimmen, ob Probleme mit Rassismus bestehen. Der Alltag mit Alltagssprache, Gewohnheiten und zwei getrennten Welten mit unterschiedlichen Perspektiven für unterschiedliche Hautfarben, war der Grund für die Ungerechtigkeit und die Gewalt dieser Zeit.
Anschläge auf die Vertreter dieser zweiten Welt waren die deutlichsten Anzeichen des ungeheuren Ausmaßes. Dass seine Freunde zu Todesopfern wurden, das schockte Baldwin am meisten. Er hat Recht behalten, denn auch während Obamas Amtszeit und noch danach sterben weiterhin farbige Menschen durch weiße Gewalt. Ich will Obama nicht vorwerfen, dass er in seiner Amtszeit nichts erreicht hat, aber die Tatsache, dass ihm Donald Trump ins Amt folgte, wird die lodernden Konflikte nicht einschränken. Ein schwarzer Präsident ist nicht das Ende des Rassismus in den Staaten, es ist eine nächste Etappe um zu begreifen, dass er sich im Kopf der Bevölkerung abspielt.

Die Gefängnisse, die in den USA einen viel größeren Teil der Bevölkerung ausmachen als in allen anderen Ländern der Erde, außer den Seychellen, enthalten weiterhin deutlich überrepräsentativ farbige Menschen. Die Ermordung durch Polizisten ist landesweit ein großes Problem und die Geduld der Benachteiligten ist rapide gesunken, was zu weiterer Gewalt führt und führen wird. Bewegungen wie „Black Lives Matter“ versuchen gerade zu rücken, was nie wirklich im Gleichgewicht stand. All das geschieht unter dem Präsidenten, der wie niemand zuvor für eine Elite weißer Milliardäre steht.

Nein, auch heute bleibt uns trotz vieler Fortschritte nichts anderes übrig als auch vom Optimismus James Baldwins zu lernen. Er hat trotz allen Rückschlägen nie aufgehört an einen Abschluss dieses Teils der amerikanischen Geschichte zu glauben, die seine Geschichte Amerikas ist. Er war Amerikaner, seine Vorfahren kamen nicht freiwillig in dieses Land. Das bleibt ein Fakt der ihn mit den allermeisten seiner weißen Mitbürger vereinte.

Ich habe viel gelernt von dieser Doku und kann sie jedem nur empfehlen. Als nächstes werde ich mir seine Bücher vorknüpfen, um seine literarische Seite zu entdecken und dabei so manchen Bezug zu seinem Leben und seinem Land zu finden. Wenn ihr über den Film diskutieren wollt, etwas interessantes bemerkt habt was mir entgangen ist, oder Anregungen für spannende Bücher oder andere Filme habt, dann schreibt es gerne in die Kommentare.

Was haltet ihr von James Baldwin?
Wie schätzt ihr den Konflikt zwischen Schwarz und Weiß heute ein?
Lasst es mich wissen!

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