Hass als Charaktermerkmal und Reaktion

Wir verlieren unser Land. Es wird uns weggenommen. Das lasse ich mir nicht gefallen! Ich wehre mich auf demokratischem Wege, ich wähle! Clinton steht für das was war. Die EU steht für das was war. Also wähle ich ab jetzt dagegen! Habe ich euch mit diesen Gedanken richtig verstanden, liebe „Alt. right“ und AFDler?

Noam Chomsky wirkt manchmal  wie ein Anker auf mich, der mich abrupt stoppt und einen Moment inne halten lässt wenn ich mich auf Abwegen befinde. Ich besinne mich dann und erinnere mich, wieso ich an ihm hänge. Keine Angst, oder aber auch Entschuldigung dafür, aber die oben genannten Gefühle sind nicht die meinen. Ich glaube allerdings, dass sie heute viele Menschen teilen und ich glaube das spiegelt sich momentan in den Wahlergebnissen wieder.

Zwei Beiträge anderer, die mich zu diesem Eintrag inspirierten, möchte ich mit euch teilen:

 

, sowie

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/45138/Wer-hasst-hat-sein-Leben-nicht-auf-die-Reihe-bekommen

Der Hass den Chomsky beschreibt kann ich zu guten Teilen nachvollziehen. Ein großer Teil der USA sieht nichts vom wirtschaftlichen Wachstum und Reichtum des Landes. Das Land gehört ihnen nicht. Die reichste Familie verdient mehr als die unteren 40%. Das ist ein Missstand. Diesen Missstand spüren die Menschen und ich verstehe Wut als Reaktion. Und eigentlich machen sie es ja zum großen Teil auch richtig mit ihrer Reaktion, sie wählen, das ist die demokratischste Reaktion, die man sich von einer Bevölkerung nur wünschen kann.

Leider steckt aber keine Vernunft dahinter. Ihre Art und Weise zu wählen offenbart eine Diagnose, die nach diesem Gefühl der Hilflosigkeit nichts sinnvolles und gutes mehr hervorbringt. Einfache Lösungen werden gesucht und da gefunden wo Unterschiede am offensichtlichsten sind in ihrem Alltag. Menschen, die anders aussehen, werden verdächtigt sich das Land anzueignen und Menschen, die andere Sprachen sprechen, sind nicht Teil des normalen Konkurrenzkampfes, dessen sie sich normal rühmen, sondern gehören zu „den anderen“ und nehmen Arbeitsplätze weg. Es ist schwierig für mich zu sagen ob die Wut sie jetzt blind gemacht hat, oder ob sie vielleicht einfach nie wirklich gelernt haben auf unsere komplexe Welt mit komplexen Gedankengängen zu reagieren.

Leider hat Amerika für mich, wie Chomsky es schon richtig sagt, genau das Falsche gemacht und einen Clown gewählt, denn mehr ist Drumpf im Grunde nicht. Dieser Clown gehört aber auch noch genau zu diesem Teil der Bevölkerung, dem obersten 1%, für dessen Reichtum der Rest arbeitet. Diese Dummheit ist absurd. Ich will es eigentlich nicht Dummheit nennen, da Beschimpfen ja Hass ausdrückt und zu seinem Repertoire gehört und ich mich da nicht auf sein Niveau begeben will und andererseits zu seinem Wählertyp keinen Graben aufbauen will, der Diskussion auf Augenhöhe unmöglich macht, also doch genau auf sein Niveau will. Ach, verwirrend!

Aber trotzdem bleibt es Dummheit. Es ist so dumm, das es mir fast körperlich wehtut. Hätten sie nicht zumindest auf einen armen Populisten reinfallen können, mit dem sich noch jemand assoziieren kann? Nein, es ist jemand geworden, der noch nie in unserer Welt, der Welt derer die nur eine theoretische Chance haben jemals so reich zu werden wie er es schon von Geburt aus war, gelebt hat. Der Mensch hat immer die Neigung, und ich glaube nicht, dass Drumpf ein Mensch ist der viel Kontrolle über  seine Neigungen hat, politisch aus der eigenen Perspektive zu handeln. Zumindest tendenziell macht ein Millardär eher Politik für reiche als für arme, das muss jedem klar sein. Drumpfs größte Leistung bisher war es nicht arm zu werden, viel mehr als das und seine Bekanntheit als Clown, hat er nicht vorzuweisen.

Ich möchte auch auf den Vergleich mit dem deutschen Nationalsozialismus eingehen. Das wird vermutlich von vielen als alter Hut und Nazi-Keule bezeichnet. Die Formen des Hasses sind aber vergleichbar. Sie weisen Ähnlichkeiten auf. In dem Moment wo sich die Menschen davon abwenden aus der Geschichte zu lernen, haben wir ein Problem. Hinzu kommt, dass wir hier von der Generation unserer Großeltern reden. Das ist ganz, ganz neue Vergangenheit aus dem Blickwinkel eines Historikers.

Man muss noch die AFD-Wähler und die Drumpf-Wähler unterscheiden und ein bisschen differenzieren. Zum einen wählen nicht nur die Ungebildeten und Armen hart rechts, sondern auch Manager, Professoren und Lehrer. Aber die weniger gebildeten und ärmeren machen nunmal den größeren Teil der Bevölkerung aus, deshalb auch den größeren Teil der Wähler. Außerdem sind die Kontexte unterschiedlich in den beiden Ländern. Abgesehen davon das Deutschland die Wahl noch bevor steht und die soziale Lage in den USA deutlich schlimmer ist als bei uns, lässt sich das Erstarken der AFD noch auf konkrete Ereignisse zurückführen. Erst kam die Finanz- und EU-Krise, dann die „Flüchtlingskrise“. Der Hass der Alt.-right scheint weniger gerichtet zu sein, die Schuldzuweisungen noch abstrakter.

Ich möchte meinen Artikel über den Hass gerne damit abschließen ein Gegenmodell vorzustellen – bedingungslose Nächstenliebe. Es handelt sich um das Exportgut der Christentums. Man muss sich keine Sorgen ums Vaterland machen, denn Nächstenliebe hat noch nie eine Kriegsniederlage oder Genozide hervorgerufen. Es ist zugegebenermaßen ein sehr, sehr idealistischer Ansatz. Er ist abstrakt. Aber warum nicht? Die abstrakten Ängste funktionieren doch auch. Warum nicht mal abstrakter Mut? Denn den Mut, den braucht man wenn man sich von Gefühlen leiten lässt und die Vernunft ausschließt.

Was ist euer Gegenmodell?
Was haltet ihr von Nächstenliebe?
Ist sie in diesem politischen Diskurs angebracht?
Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

 

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Ein Kommentar zu „Hass als Charaktermerkmal und Reaktion

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